Ist deine Website für KI lesbar?
Sechs Punkte lassen sich messen, sechs musst du selbst beurteilen. Mit den Zahlen aus meiner eigenen Search Console – und der unbequemen Antwort von Google.
Seit Monaten bekomme ich dieselbe Frage, meist am Ende eines Gesprächs über etwas anderes: „Und ist meine Website eigentlich schon für KI optimiert?“ Die ehrliche Antwort ist unbequemer als das, was gerade verkauft wird.
Ich habe in meine eigene Search Console geschaut, über die vollen sechzehn Monate, die Google aufhebt: 747 verschiedene Suchanfragen. Davon sehen genau drei nach einem KI-Gespräch aus – zusammen zehn Einblendungen, null Klicks. Von einer messbaren KI-Welle ist bei einem regionalen Betrieb in Sachsen bisher nichts zu sehen.
Gleichzeitig steht in Googles eigener Anleitung zu generativen KI-Funktionen der Satz, den keine Agentur zitiert: Es gibt keine zusätzlichen Anforderungen, um in AI Overviews oder im AI-Modus zu erscheinen, und man braucht weder neue maschinenlesbare Dateien noch eine besondere Schreibweise.
Beides zusammen heißt nicht „ignorier das Thema“. Es heißt: Die richtige Frage ist nicht „Wie optimiere ich für KI?“, sondern „Kann eine Maschine meine Website überhaupt erreichen, verstehen und bedienen?“
Die sechs Punkte, die sich messen lassen
Nicht weil sie wichtiger wären – sondern weil man bei ihnen nicht diskutieren muss.
1. Sperrt deine robots.txt jemanden aus? Der häufigste echte Fund. Sicherheits-Erweiterungen und Baukästen blockieren KI-Programme regelmäßig pauschal, ohne dass es jemand entschieden hätte. Gelegentlich erwischt es Googlebot gleich mit – dann ist die Seite aus der Suche verschwunden und niemand weiß warum.
2. Wie antwortet dein Server? Statuscode, Zeit bis zum ersten Byte, Anzahl der Weiterleitungen. Drei Weiterleitungen hintereinander (http → https → www → Ziel) kosten bei jedem Abruf Zeit, und manche Programme brechen vorher ab.
3. Steht dein Text im HTML – oder erst im Browser? Der wichtigste Punkt überhaupt, und der, der am häufigsten durchfällt. Googlebot baut Seiten nach und kommt meist zurecht. Die Abruf-Programme der KI-Anbieter überwiegend nicht. Wer hier durchfällt, ist für einen großen Teil der Systeme schlicht eine leere Seite.
4. Sagen die Überschriften, was darunter steht? Eine Seite ohne H1 oder mit übersprungenen Stufen hat für Maschinen keine Gliederung. Für Screenreader auch nicht.
5. Sind Knöpfe echte Knöpfe? Ein <div> mit Klick-Ereignis ist für ein Programm kein Knopf, sondern ein Kasten.
6. Sind Formularfelder beschriftet? Ein grauer Platzhaltertext ist keine Beschriftung – er verschwindet beim Tippen. Ohne <label> ist ein Formular ein Ratespiel.
Die Punkte 4 bis 6 sind übrigens exakt die Liste, die seit Jahren unter Barrierefreiheit läuft. Das ist kein Zufall: Ein Programm, das eine Seite zuverlässig bedienen will, nutzt dieselbe Struktur wie ein Screenreader. Barrierefreiheit ist die KI-Optimierung, über die niemand spricht, weil man sie nicht als Paket verkaufen kann.
Die sechs, die du selbst beurteilen musst
Kein Werkzeug kann sie messen. Wer behauptet, doch, rät.
| Frage | Warum es zählt |
|---|---|
| Beantwortet die Seite ihre Frage im ersten Absatz? | Was nicht in den ersten Zeilen steht, wird nicht als Antwort erkannt |
| Sagen die Überschriften etwas Konkretes? | „Ihr Partner“ ist keine Gliederung, „Was eine Sanierung kostet“ schon |
| Stehen Preise, Zeiten, Gebiete als Zahlen da? | Aus einem Adjektiv lässt sich keine Antwort bauen |
| Stehen deine Daten überall gleich? | Widersprüche zwischen Website, Profil und Verzeichnissen werden ignoriert oder gemittelt |
| Steht dort etwas, das nicht überall steht? | Austauschbares holt sich die Maschine aus einer stärkeren Quelle |
| Funktioniert die Seite mit der Tastatur? | Automatische Bedienung nimmt denselben Weg |
Die letzte Frage ist die einzige, bei der ein Test in einer Minute reicht: in die Adresszeile klicken, dann nur noch Tab drücken. Siehst du bei jedem Schritt, wo du bist? Erreichst du Menü, Hauptknopf und Formular?
Was ich bewusst nicht in die Liste genommen habe
Auf dieser Website liegen eine llms.txt, ein Volltext-Index als JSON und Werkzeuge, die KI-Agenten im Browser direkt bedienen können. Ich habe das gebaut, weil mich interessiert, ob es etwas bringt, und weil ich Kunden nichts empfehlen möchte, das ich nicht selbst betreibe.
Keines dieser drei Dinge steht unter den zwölf Punkten. Google sagt ausdrücklich, dass es solche Dateien nicht braucht, und die Belege, dass andere Anbieter sie nutzen, sind bisher dünn. Ich schreibe in den nächsten Wochen über jede der drei Schichten – mit dem, was in meinen eigenen Serverlogs steht, nicht mit dem, was auf Konferenzfolien steht.
Die Reihenfolge, wenn du anfangen willst
- KI-Check laufen lassen – erst die Startseite, dann die Kontaktseite getrennt.
- Alles beheben, was rot ist. Punkt 3 zuerst, wenn er darunter ist.
- Die sechs Fragen ehrlich beantworten. Bei „nein“ steht im Ergebnis, was zu tun ist.
- Erst danach über Inhalte nachdenken – und dabei bei den Quellen anfangen, aus denen Assistenten lokale Empfehlungen bauen: Google-Unternehmensprofil, Bewertungen, dann die Website.
Wer das abhakt, ist besser vorbereitet als die allermeisten Websites, die gerade eine KI-Optimierung kaufen. Wenn du es lieber abgeben willst: Eine Prüfung mit priorisierter Liste gibt es bei mir für 200 € – Details unter SEO & KI-Sichtbarkeit.
Häufige Fragen
Brauche ich eine spezielle KI-Optimierung für meine Website?
Nach Googles eigener Dokumentation nicht. Dort steht, dass es keine zusätzlichen Anforderungen gibt, um in AI Overviews oder im AI-Modus zu erscheinen, und dass man weder neue maschinenlesbare Dateien noch eine besondere Schreibweise braucht. Was zählt, ist dasselbe wie vorher: Die Seite muss erreichbar, indexierbar, verständlich und schnell sein – nur konsequenter, als es die meisten Websites aushalten.
Was prüft der KI-Check automatisch?
Sechs Punkte, die sich von außen messen lassen: ob die robots.txt Such- oder KI-Programme aussperrt, wie der Server antwortet und über wie viele Weiterleitungen, wie viel Text ohne JavaScript im HTML steht, ob die Überschriftenhierarchie stimmt, ob Knöpfe echte Knöpfe sind und ob Formularfelder beschriftet sind. Die übrigen sechs Punkte sind Urteilsfragen und stehen im Werkzeug als Fragebogen.
Bringt eine llms.txt-Datei etwas?
Für Google nachweislich nichts: Die Suche ignoriert die Datei, das sagt Google seit Juni 2026 ausdrücklich. Für andere Systeme ist die Beleglage dünn. Ich habe die Datei auf dieser Website trotzdem – aber sie steht bewusst nicht unter den zwölf Punkten, die wirklich zählen.
Was ist der häufigste Fehler?
Text, der erst durch JavaScript entsteht. Bei Baukasten-Websites und vielen App-Frameworks steht im ausgelieferten HTML fast nichts – die Inhalte kommen erst im Browser dazu. Googlebot kommt damit meist zurecht, viele andere Programme nicht. Der KI-Check deckt das in Sekunden auf.