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Wer fragt eigentlich ChatGPT, Gemini und Claude?

Vier Assistenten, sehr verschiedene Nutzer. Warum die Marktanteile weniger wichtig sind als die Quelle, aus der jeder Assistent seine Antworten zieht – und was ein regionaler Betrieb daraus macht.

Wenn ein Kunde mich fragt, ob er „jetzt was mit KI machen“ muss, stelle ich eine Gegenfrage: Welchen Assistenten benutzen deine Kunden? Meistens kommt: „Keine Ahnung. ChatGPT?“

Das ist eine vernünftige Vermutung und trotzdem die falsche Frage. Wichtiger ist, woher ein Assistent seine Antwort holt – denn darauf kann man Einfluss nehmen, auf die Marktanteile nicht. Der Reihe nach.

Die Größenordnungen

Verlässliche Nutzerzahlen gibt es nicht; keiner der Anbieter veröffentlicht vollständige Daten. Was es gibt, sind Auswertungen von Besuchsdaten, und die zeichnen ein halbwegs stabiles Bild. Für Mai 2026 nennt eine Zusammenfassung von Similarweb-Zahlen folgende Anteile am weltweiten Besuchsaufkommen der Assistenten:

Assistent Anteil Besuche Aktive Nutzer pro Monat (Schätzung)
ChatGPT 53,9 % ~1,1 Mrd.
Gemini 27,9 % ~662 Mio.
Claude 9,2 % ~245 Mio.
DeepSeek 4,1 %
Grok 2,4 %
Perplexity 1,3 %
Microsoft Copilot 1,3 %

Zwei Dinge sind daran interessanter als die Rangfolge selbst.

Erstens: ChatGPT ist im Juni 2026 erstmals unter 50 % Marktanteil gefallen – nicht, weil weniger Menschen KI nutzen, sondern weil sich die Nutzung verteilt. Wer heute eine Strategie auf „die Leute benutzen ChatGPT“ baut, baut auf einer Zahl, die sich in achtzehn Monaten halbiert hat.

Zweitens: Gemini hat rund ein Viertel. Das liegt nicht daran, dass Gemini besser wäre, sondern daran, dass es in Android, in der Google-Suche und in Chrome eingebaut ist. Ein großer Teil der Gemini-Nutzung ist keine bewusste Entscheidung für einen Assistenten – es ist die Google-Suche, die anders aussieht als früher.

Für Deutschland kommt hinzu: Deutschland gehört zu den stärksten europäischen Märkten für ChatGPT; in einer Auswertung entfallen rund 3,4 % des weltweiten ChatGPT-Verkehrs auf deutsche Nutzer.

Vier Assistenten, vier Nutzungsanlässe

Die Zahlen sagen wenig darüber, wofür die Werkzeuge benutzt werden. Aus Gesprächen mit Kunden, aus meiner eigenen Arbeit und aus dem, was die Anbieter selbst bewerben, ergibt sich ein klareres Bild als aus jeder Prozentzahl:

ChatGPT ist der Allzweck-Assistent für Privatleute. Rezepte, Briefe, Urlaubsplanung, Erklärungen, und zunehmend: Empfehlungen. „Welcher Steuerberater in Dresden ist gut für Kleinunternehmer?“ ist eine ChatGPT-Frage. Für einen lokalen Betrieb ist das die relevanteste Nutzung überhaupt.

Gemini ist da, wo Google ist. Wer auf dem Handy sucht und eine KI-Antwort über den Ergebnissen sieht, benutzt Gemini-Technik, ohne es Assistent zu nennen. Das macht Gemini für lokale Suchen besonders wichtig: Die Antwort entsteht direkt neben dem Kartenblock und greift auf dieselben Daten zu.

Claude wird überdurchschnittlich in Unternehmen eingesetzt, besonders dort, wo Datenschutz und Nachvollziehbarkeit zählen – bei den Ausgaben für Programmier-Schnittstellen liegt Anthropic laut Branchenauswertungen vor OpenAI und Google. Privatleute, die nach einem Dachdecker suchen, sitzen selten in Claude. Wer dagegen B2B-Dienstleistungen verkauft, trifft seine Kunden hier eher als beim Rezepte-Assistenten.

Perplexity ist klein, aber die Nutzer sind Rechercheure: Sie vergleichen, prüfen Quellen und klicken die Links an. Wenige Besucher, aber solche mit Absicht.

Der Punkt, auf den es wirklich ankommt

Jetzt die unbequeme Wendung: Für einen regionalen Betrieb ist diese ganze Aufteilung fast egal.

Wenn jemand ChatGPT, Gemini oder Claude nach „gutem Elektriker in Pirna“ fragt, erfindet keiner der drei eine Antwort aus dem Nichts. Alle greifen auf einen sehr kleinen Kreis von Quellen zu:

  1. Kartendienste und Unternehmensprofile – allen voran das Google-Unternehmensprofil, weil es die einzige strukturierte, gepflegte, flächendeckende Quelle für lokale Betriebe in Deutschland ist.
  2. Bewertungsportale – Google-Bewertungen, in manchen Branchen Jameda, ProvenExpert, HRS.
  3. Die Website des Betriebs selbst – für alles, was im Profil nicht steht: Leistungen im Detail, Preise, Arbeitsweise, Ansprechpartner.
  4. Erwähnungen anderswo – Branchenverzeichnisse, lokale Presse, Vereinsseiten, Lieferantenlisten.

Das sind für alle Assistenten dieselben vier Quellen. Es gibt keine ChatGPT-Optimierung, die an Gemini vorbeigeht. Wer sein Profil vollständig macht, echte Bewertungen sammelt und auf der Website konkret schreibt, arbeitet für alle vier gleichzeitig.

Die praktische Übersetzung: Die Frage „für welchen Assistenten optimiere ich?“ hat keine Antwort, weil sie falsch gestellt ist. Die Frage lautet: „Sind die vier Quellen, aus denen alle Assistenten schöpfen, bei mir in Ordnung?“ Das ist prüfbar, und es ist die Arbeit, die auch ohne KI richtig war.

Was sich dadurch trotzdem ändert

Drei Dinge verschieben sich wirklich, und die sollte man kennen:

Die Antwort ist kürzer als die Ergebnisliste. Google zeigt zehn Ergebnisse, ein Assistent nennt zwei oder drei Betriebe. Platz 7 war früher wenig wert, heute ist er null wert. Der Abstand zwischen „unter den ersten drei“ und „nicht unter den ersten drei“ wird größer.

Bewertungen werden zum Filter. Ein Assistent, der aus zwanzig Betrieben drei nennen soll, braucht ein Auswahlkriterium, das er lesen kann. Sterne und Anzahl der Bewertungen sind das offensichtlichste. Wer zwölf Bewertungen hat und der Nachbar hundert, verliert diese Auswahl – unabhängig von der Qualität der Arbeit.

Wer keine Website hat, existiert nur als Profileintrag. Das Profil liefert Öffnungszeiten und Telefonnummer. Alles andere – wie du arbeitest, was es kostet, warum man dich nimmt – steht nur auf deiner Website oder nirgends. Genau diese Sätze braucht ein Assistent aber, um dich zu empfehlen statt nur aufzuzählen.

Was ich daraus für meine eigene Website gemacht habe

Ich habe die ganze Reihenfolge einmal umgedreht. Statt zu fragen, was ein Assistent gern liest, habe ich geprüft, was über mich überhaupt auffindbar ist: Profil, Bewertungen, Website, Erwähnungen. Das Ergebnis war ernüchternd genug, dass daraus ein größerer Umbau wurde – nachzulesen in den sieben SEO-Fehlern, die ich dabei bei mir selbst gefunden habe.

In meiner Search Console taucht bisher übrigens keine einzige eindeutige KI-Anfrage auf; über sechzehn Monate und 747 verschiedene Suchanfragen gibt es drei Kandidaten mit zusammen zehn Einblendungen. Das ist der ehrliche Stand für einen regionalen Betrieb in Sachsen im Herbst 2026: Die Verschiebung ist real, aber sie ist noch nicht in meiner Statistik angekommen.

Deshalb ist mein Rat unspektakulär und in dieser Reihenfolge: erst das Google-Unternehmensprofil, dann Bewertungen, dann die Website. Ob deine Website technisch überhaupt lesbar ist, klärt der Selbsttest in zwölf Checks.

Häufige Fragen

Welcher KI-Assistent ist für kleine Unternehmen in Deutschland am wichtigsten?

Nach Reichweite ChatGPT, mit Abstand – Deutschland ist einer der stärksten Märkte in Europa. Für lokale Empfehlungen ist die Rangliste aber zweitrangig, weil alle großen Assistenten für „Handwerker in Pirna“ auf dieselben wenigen Quellen zurückgreifen: Google-Unternehmensprofil, Kartendienste, Bewertungsportale und die Website selbst. Wer diese Quellen in Ordnung hat, ist bei allen gleichzeitig sichtbar.

Muss ich meine Website für jeden Assistenten einzeln optimieren?

Nein. Es gibt keine Einstellung, die nur für ChatGPT oder nur für Gemini wirkt. Die Assistenten unterscheiden sich darin, woher sie ihre Informationen holen – nicht darin, welche Art von Website sie bevorzugen. Unterschiedlich behandeln muss man nur den Zugang: Welche Abruf-Programme du in der robots.txt durchlässt, entscheidet, wer deine Seite überhaupt lesen darf.

Nutzen Geschäftskunden andere Assistenten als Privatleute?

Die verfügbaren Zahlen deuten darauf hin. Bei den Ausgaben für Programmier-Schnittstellen liegt Anthropic (Claude) vorn, während ChatGPT bei privaten Nutzern klar führt. Für einen Betrieb heißt das praktisch: Wer B2B verkauft, sollte nicht davon ausgehen, dass seine Kunden dieselben Werkzeuge benutzen wie er selbst.

Lohnt es sich, in KI-Assistenten Werbung zu schalten?

Für einen regionalen Betrieb derzeit nicht. Die Werbeformate sind jung, die Reichweite in einem Landkreis ist klein, und die Kosten pro Anfrage lassen sich kaum planen. Der Hebel liegt heute woanders: vollständiges Google-Unternehmensprofil, echte Bewertungen und eine Website, die konkrete Fragen konkret beantwortet.

Quellen

  1. ChatGPT's market share slips below 50% for first time TechCrunch, 16. Juni 2026 · abgerufen 13.09.2026
  2. Top AI Chatbots and Assistants by Market Share Momentic Marketing (Auswertung von Similarweb-Daten), August 2026 · abgerufen 13.09.2026
  3. ChatGPT vs Gemini vs Claude Usage Market Share: 2026 Statistics and Demographics commandlinux.com · abgerufen 13.09.2026

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