Der KI-Bericht in der Search Console: was er zeigt und was er verschweigt
Google zeigt seit dem 31. August 2026 allen Websites, wie oft sie in AI Overviews und im AI-Modus auftauchen. Was in dem Bericht fehlt, ist wichtiger als das, was drinsteht – und es gibt einen Denkfehler, der fast allen passiert.
Seit dem 31. August 2026 hat jede Website in der Google Search Console einen neuen Bericht: Einblendungen in generativen KI-Funktionen. Angekündigt wurde er am 3. Juni 2026, zuerst für einen kleinen Kreis britischer Websites, seit Ende August weltweit für alle.
Das ist eine gute Nachricht, weil es zum ersten Mal überhaupt offizielle Zahlen zu diesem Thema gibt. Und es ist eine begrenzte Nachricht, weil in dem Bericht ungefähr die Hälfte von dem fehlt, was man wissen möchte. Hier steht, was drin ist, was fehlt, welchen Denkfehler fast alle machen – und wie man das Ding als kleiner Betrieb trotzdem sinnvoll benutzt.
Was der Bericht zeigt
Der Bericht erfasst Einblendungen deiner Seiten in Googles KI-Funktionen: in AI Overviews (dem KI-Kasten über den Suchergebnissen) und im AI-Modus (der Gesprächsansicht der Suche). Für Discover gibt es einen zweiten, getrennten Bericht.
Aufschlüsseln lässt sich das nach:
- Seiten – welche URL wie oft in KI-Antworten auftaucht
- Ländern
- Geräten
- Datum – der Verlauf über die Zeit
Das reicht für genau eine Frage, und die ist nicht unwichtig: Welche meiner Seiten benutzt Google, um KI-Antworten zu bauen? Wenn dort Seiten stehen, die du für nebensächlich hältst, sagt das etwas über den Unterschied zwischen deiner Einschätzung und der von Google.
Was fehlt
Und jetzt die Liste, die länger ist:
| Messwert | Im KI-Bericht? |
|---|---|
| Einblendungen | ja |
| Klicks | nein |
| Klickrate (CTR) | nein |
| Durchschnittliche Position | nein |
| Suchanfragen | nein |
Ohne Klicks gibt es keine Aussage über Wirkung. Ohne Suchanfragen gibt es keine Aussage über Anlass. Man sieht, dass eine Seite in KI-Antworten vorkam – aber nicht, wofür, und nicht, ob jemand daraufhin gekommen ist.
Google hat angekündigt, weitere Messwerte zu ergänzen, ohne einen Termin zu nennen. Druck kommt von außen: Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hat Google bis März 2027 aufgegeben, seitenbezogene Steuerungsmöglichkeiten für KI-Funktionen einzuführen, und erwartet zusätzlich Klickdaten. Bis das kommt, ist der Bericht eine Sichtbarkeits-, keine Erfolgsmessung.
Der Denkfehler, der fast allen passiert
Der wichtigste Absatz dieses Artikels.
Die KI-Einblendungen sind nicht neu hinzugekommen. Sie waren die ganze Zeit schon im normalen Leistungsbericht enthalten, im Suchtyp „Web“. Google hat AI Overviews und AI-Modus nie getrennt ausgewiesen – sie liefen unter Suche mit.
Der neue Bericht ist also kein zusätzlicher Kanal, sondern ein Filter auf vorhandene Daten. Wer seine 2.000 Web-Impressionen nimmt, die 300 KI-Impressionen dazuaddiert und sich über 2.300 freut, hat 300 Vorgänge doppelt gezählt.
Das erklärt auch, warum viele Websites seit 2025 fallende Klickraten bei stabilen Einblendungen sehen. Die Einblendung in einem KI-Kasten zählt als Einblendung, führt aber seltener zu einem Klick als Platz 3 einer klassischen Ergebnisliste. In meinem eigenen Leistungsbericht sieht das über die letzten 90 Tage so aus: 8.466 Einblendungen, 29 Klicks, durchschnittliche Position 55,6. Im Vorquartal waren es bei 16.977 Einblendungen ebenfalls 29 Klicks. Die Einblendungen haben sich halbiert, die Klicks sind gleich geblieben – Einblendungen und Erfolg haben schlicht wenig miteinander zu tun.
Wie man den Bericht als kleiner Betrieb benutzt
Drei Auswertungen lohnen sich, alles andere ist bei regionalen Websites Rauschen.
1. Welche Seiten liefern KI-Antworten?
Bericht öffnen, nach Seiten sortieren, oberste fünf ansehen. Typisches Muster: Ratgeberartikel und Seiten mit konkreten Zahlen stehen oben, Startseite und „Über uns“ stehen unten.
Wenn das bei dir auch so ist, ist das keine Panne, sondern eine Auskunft: KI-Funktionen greifen auf Seiten zu, die eine Frage beantworten. Wer daraus einen Schluss ziehen will, baut die zweitwichtigste Frage seiner Kunden zu einer eigenen Seite aus – nicht zu einem Absatz auf der Startseite.
2. Wie entwickelt sich der Anteil?
Interessant ist nicht die absolute Zahl, sondern das Verhältnis. Notiere dir einmal im Monat zwei Werte: Einblendungen gesamt (Leistungsbericht, Suchtyp Web) und Einblendungen in KI-Funktionen. Der Anteil sagt dir, wie stark deine Nische von KI-Antworten erfasst wird.
Steigt der Anteil über Monate deutlich, während deine Klicks gleich bleiben, ist das der Moment, ab dem du auf der Website mehr für den Kontakt tun musst – Telefonnummer sichtbar, Anfrage in zwei Feldern, Google-Profil gepflegt. Denn dann findet die Auswahl vor dem Klick statt.
3. Stimmen Länder und Geräte?
Ein schneller Plausibilitätstest. Wenn ein Handwerksbetrieb aus Sachsen den Großteil seiner KI-Einblendungen aus den USA bekommt, ist das kein Markt, sondern Rauschen – meistens automatisierte Abfragen. Diese Zeilen gehören bei jeder Auswertung raus, sonst rechnet man sich eine Nachfrage schön, die es nicht gibt. Woran man solche Muster erkennt, steht ausführlicher in den sieben SEO-Fehlern.
Was der Bericht nicht ersetzt
Er zeigt nur Google. ChatGPT, Claude und Perplexity tauchen dort mit keiner Zeile auf – für diese Systeme gibt es keine Search Console und keinen offiziellen Bericht. Wer wissen will, ob dort jemand seine Seiten liest, muss ins Serverlog schauen oder die Herkunft seiner Besucher im eigenen Analyse-Werkzeug auswerten. Beides beschreibe ich in dieser Reihe noch im Detail.
Bis dahin die nüchterne Einordnung: Der KI-Bericht ist ein Fortschritt gegenüber gar nichts. Er ist keine Grundlage für Budgetentscheidungen, und er ist kein Grund, die Website umzubauen. Er ist ein Messwert, den man einmal im Monat notiert – und dessen Aussagekraft in dem Moment steigt, in dem Google endlich Klicks dazuliefert.
Was bis dahin zählt, ist unverändert: erreichbar, verständlich, bedienbar. Ob deine Website das ist, klärt der Selbsttest in zwölf Checks.
Häufige Fragen
Wo finde ich den KI-Bericht in der Search Console?
Links im Menü unter „Leistung“. Neben dem bekannten Bericht zur Suche steht seit dem Rollout ein eigener Eintrag für generative KI-Funktionen; für Discover gibt es einen zweiten. Wenn du ihn nicht siehst, hat deine Property in diesem Zeitraum keine Einblendungen in KI-Funktionen gehabt – das ist bei kleinen regionalen Websites normal.
Kann ich die KI-Einblendungen zu meinen normalen Impressionen dazuzählen?
Nein, und das ist der häufigste Denkfehler. Einblendungen aus AI Overviews und AI-Modus stecken bereits im Suchtyp „Web“ des normalen Leistungsberichts. Der KI-Bericht filtert sie heraus, er fügt nichts hinzu. Wer beide Zahlen addiert, zählt denselben Vorgang zweimal.
Warum zeigt der Bericht keine Klicks?
Google hat Klickdaten in der ersten Fassung bewusst weggelassen und angekündigt, weitere Messwerte nach und nach zu ergänzen, ohne einen Termin zu nennen. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA erwartet unter anderem Klickdaten und hat Google bis März 2027 Zeit für seitenbezogene Steuerungsmöglichkeiten gegeben. Bis dahin bleibt der Bericht eine Einblendungs-Statistik.
Was mache ich, wenn der Bericht bei mir fast leer ist?
Nichts Besonderes. Bei einem regionalen Betrieb mit ein paar tausend Einblendungen im Quartal sind die KI-Zahlen so klein, dass jede Schwankung Zufall sein kann. Der Bericht wird erst interessant, wenn über mehrere Monate eine Richtung erkennbar ist – bis dahin ist er eine Beobachtung, keine Handlungsgrundlage.