Zweisprachige Website Deutsch–Sorbisch: Was Betriebe in der Lausitz wissen sollten
Für Betriebe im sorbischen Siedlungsgebiet rund um Bautzen: was das Sächsische Sorbengesetz verlangt und was nicht, für wen sich eine sorbische Version lohnt, wer übersetzt – und worauf es technisch ankommt, bis hin zu einer Lücke bei Google.
Eine zweisprachige Website Deutsch–Sorbisch ist für Betriebe in der Lausitz freiwillig. Das Sächsische Sorbengesetz verpflichtet staatliche Behörden, nicht Unternehmen. Wer seine Website trotzdem auch auf Sorbisch anbietet, zeigt Nähe zu einem Teil seiner Kundschaft – und das ist technisch gut machbar, mit einer Lücke bei Google, die man kennen sollte.
Dieser Artikel richtet sich an Betriebe rund um Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda, die darüber nachdenken. Eins vorweg: Ich übersetze nicht ins Sorbische. Ich baue die Website so, dass zwei Sprachen sauber nebeneinander funktionieren. Die Texte kommen von dir, aus deinem Team oder von einem Übersetzungsbüro.
Muss mein Betrieb eine sorbische Website haben?
Nein. Das Sächsische Sorbengesetz von 1999 regelt die Rechte der Sorben im Freistaat. Es gibt Bürgern im sorbischen Siedlungsgebiet das Recht, sich vor staatlichen Behörden der sorbischen Sprache zu bedienen (§ 9), und es sieht vor, dass staatliche Stellen öffentliche Gebäude, Straßen und Wegweiser dort zweisprachig beschriften sollen (§ 10).
Für private Unternehmen enthält das Gesetz keine Pflicht. Der Freistaat soll lediglich darauf hinwirken, dass auch andere Gebäude von öffentlicher Bedeutung zweisprachig beschriftet werden. Eine sorbische Version deiner Website ist also ein Angebot, keine Auflage.
Wo wird Sorbisch gesprochen?
Laut Freistaat Sachsen leben rund 60.000 Sorben in Deutschland: etwa 40.000 Obersorben in der sächsischen Oberlausitz und etwa 20.000 Niedersorben in der brandenburgischen Niederlausitz. Das Siedlungsgebiet in Sachsen umfasst Gemeinden und Gemeindeteile der Landkreise Bautzen und Görlitz; welche genau, steht in der Anlage zum Sorbengesetz.
Wichtig für die Website: Obersorbisch und Niedersorbisch sind zwei eigene Schriftsprachen. Ein Betrieb im Landkreis Bautzen braucht in aller Regel die obersorbische Fassung. Wer einfach „Sorbisch“ bei einem Übersetzer bestellt, sollte das ausdrücklich dazuschreiben.
Für wen lohnt sich eine sorbische Version?
Sorbischsprachige Kunden sprechen auch Deutsch. Eine sorbische Website bringt also kaum Kunden, die dich sonst nicht verstehen würden. Sie zeigt etwas anderes: dass du die Region und ihre Menschen ernst nimmst. Die Domowina, der Dachverband der Sorben, nennt Zwei- und Mehrsprachigkeit ausdrücklich einen Standortvorteil für Lausitzer Unternehmen.
Sinnvoll ist das vor allem für:
- Betriebe in Dörfern, in denen im Alltag Sorbisch gesprochen wird – Handwerk, Praxen, Läden, Dienstleister.
- Gastronomie und Tourismus, wo Zweisprachigkeit Teil des Erlebnisses ist.
- Arbeitgeber, die sorbischsprachige Fachkräfte ansprechen wollen.
- Betriebe, die ohnehin sorbischsprachige Mitarbeiter haben, die Texte gegenlesen können.
Eine ehrliche Grenze: Für einen Betrieb in Dresden oder Pirna lohnt sich das nicht. Und eine halbherzige Übersetzung, die nach dem Launch nie wieder angefasst wird, wirkt schlechter als gar keine. Plane die Pflege mit ein.
Wer übersetzt die Texte?
Am besten jemand, der Sorbisch als Muttersprache spricht oder beruflich übersetzt. Drei Wege:
- Aus dem eigenen Team. Wenn jemand Sorbisch spricht, ist das der schnellste Weg – mit einem zweiten Paar Augen zum Gegenlesen.
- Ein Übersetzungsbüro mit Sorbisch im Angebot. Lass dir eine Probeseite übersetzen, bevor du alles bestellst.
- Hilfsmittel plus Korrektur. Das WITAJ-Sprachzentrum der Domowina in Bautzen verweist auf den Online-Übersetzer SOTRA und das Wörterbuch Soblexx. Für einen ersten Entwurf hilfreich, für die Website immer von einem Muttersprachler gegenlesen lassen.
Mein Teil: Ich lege fest, welche Seiten übersetzt werden, liefere die Texte als Liste zum Übersetzen und setze die Übersetzungen danach ein.
Wie wird die Website technisch zweisprachig?
Eigene Adressen je Sprache. Jede Sprachfassung bekommt eine eigene URL, etwa /hsb/ vor der sorbischen Seite. Nicht per Cookie oder Skript umschalten – sonst sehen Suchmaschinen nur eine Sprache.
Ein Sprachumschalter, der mitdenkt. Oben sichtbar, die Sprachen in ihrer eigenen Bezeichnung, keine Flaggen. Auf jeder Seite führt er zur selben Seite in der anderen Sprache – nicht zurück zur Startseite.
Die Sprache im Code angeben. Das lang-Attribut im HTML sagt Browsern und Screenreadern, welche Sprache gerade gesprochen wird: de für Deutsch, hsb für Obersorbisch, dsb für Niedersorbisch. Screenreader lesen sonst sorbischen Text mit deutscher Aussprache vor.
Die Lücke bei Google. Mit hreflang erklärt man Google, welche Seiten Übersetzungen voneinander sind. Laut Googles eigener Dokumentation werden dafür aber nur Sprachcodes nach ISO 639-1 unterstützt, also zwei Buchstaben. Obersorbisch hat dort keinen Eintrag, sondern nur den dreibuchstabigen Code hsb nach ISO 639-3. Die sorbischen Seiten werden trotzdem ganz normal gefunden und indexiert – auf die hreflang-Verknüpfung sollte man sich aber nicht verlassen. Umso wichtiger sind sichtbare Links zwischen den Sprachfassungen und eine Sitemap, die beide enthält.
Sonderzeichen und Schriften. Obersorbisch nutzt Zeichen wie č, ě, ł, ř oder ž. Die Website muss in UTF-8 laufen, und die Webschrift muss diese Zeichen enthalten. Viele Schriften liefern sie nur im erweiterten Zeichensatz (Latin Extended-A) mit, der beim Einbinden oft weggelassen wird. Dann erscheint mitten im Wort eine Ersatzschrift. Vor dem Launch deshalb einmal eine Musterseite mit allen Sonderzeichen prüfen.
Adressen ohne Sonderzeichen. In URLs lieber ohne Häkchen und Striche arbeiten, sonst entstehen beim Teilen unlesbare Zeichenketten.
Ein Redaktionssystem, das zwei Sprachen kann. Grav kann mehrsprachig, WordPress mit einer Erweiterung. Entscheidend ist, dass du sorbische und deutsche Fassung einer Seite nebeneinander siehst und pflegen kannst.
In fünf Schritten zur zweisprachigen Website
- Umfang festlegen. Welche Seiten bekommen eine sorbische Fassung? Startseite, die wichtigsten Leistungen und Kontakt reichen für den Anfang.
- Übersetzung klären. Wer übersetzt, wer liest gegen, wer pflegt die Texte später? Das gehört vor den ersten Entwurf, nicht danach.
- Deutsche Texte fertigstellen. Übersetzt wird erst, wenn die deutsche Fassung freigegeben ist. Sonst bezahlst du Änderungen doppelt.
- Technik vorbereiten. Eigene Adressen, Sprachumschalter,
lang-Attribut, Schrift mit allen Sonderzeichen – das richte ich ein, bevor die Übersetzungen kommen. - Gemeinsam prüfen. Vor dem Launch geht jemand, der Sorbisch spricht, jede übersetzte Seite einmal auf dem Handy durch.
Was kostet eine zweisprachige Website?
Bei mir ist eine zweite Sprache im Paket „Umfangreiche Website“ vorgesehen, 2.000 bis 3.500 € zum Festpreis. Soll eine bestehende Website eine sorbische Fassung bekommen, nenne ich nach Seitenzahl einen Festpreis für Umbau und Einpflegen. Die Übersetzung selbst kommt dazu – sie liegt bei dir oder beim Übersetzungsbüro. Alle Preisspannen stehen im Ratgeber Was kostet eine Website?
Für Betriebe in Bautzen und der Oberlausitz
Das Projekt läuft online: Erstgespräch per Video oder Telefon, Entwürfe als Testlink, Texte und Übersetzungen per E-Mail. Wie das konkret abläuft, steht im Artikel Website-Projekt ohne Vor-Ort-Termin. Was ich für Betriebe in der Region anbiete, findest du auf der Seite Webdesign in Bautzen.
Häufige Fragen
Muss mein Betrieb im sorbischen Siedlungsgebiet eine sorbische Website haben?
Nein. Das Sächsische Sorbengesetz verpflichtet staatliche Behörden und Einrichtungen, etwa zur Kommunikation auf Sorbisch und zu zweisprachigen Beschriftungen. Für private Unternehmen enthält es keine Pflicht. Eine sorbische Version ist ein freiwilliges Angebot.
Obersorbisch oder Niedersorbisch?
Es sind zwei eigene Schriftsprachen. In der sächsischen Oberlausitz rund um Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda ist es Obersorbisch, in der brandenburgischen Niederlausitz um Cottbus Niedersorbisch. Wer in Sachsen arbeitet, braucht in aller Regel die obersorbische Fassung.
Übersetzt du die Texte ins Sorbische?
Nein. Die Übersetzung kommt von dir, von sorbischsprachigen Mitarbeitern oder von einem Übersetzungsbüro. Ich baue die Website so, dass beide Sprachen sauber getrennt, verlinkt und auffindbar sind, und pflege die gelieferten Texte ein.
Findet Google die sorbischen Seiten?
Ja, sie werden ganz normal indexiert. Die hreflang-Auszeichnung, mit der man Google Sprachversionen erklärt, unterstützt laut Google aber nur zweibuchstabige Sprachcodes nach ISO 639-1 – und Obersorbisch hat nur den dreibuchstabigen Code hsb. Darauf sollte man sich also nicht verlassen.
Muss ich jede Seite übersetzen lassen?
Nein. Für viele Betriebe reichen Startseite, die wichtigsten Leistungen und die Kontaktseite. Wichtig ist nur, dass der Sprachumschalter dann nicht ins Leere führt: Wo es keine sorbische Fassung gibt, zeigt er auf die nächstpassende Seite.